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Die Initiative Stolpersteine aus Karben wurde ausgezeichnet

Die Initiative Stolpersteine aus Karben wurde ausgezeichnet

Verleihung der Ehrenamtspreise der SPD Wetterau

Die Initiative Stolpersteine aus Karben wurde ausgezeichnet

Nidda, 18.11.2014. Es wurden die Initiative Stolpersteine aus Karben, der Förderverein des Musikinstrumenten-Museum Lißberg in Ortenberg sowie die Kleiderkammer des Zonta-Clubs in Bad Nauheim und Friedberg ausgezeichnet. Landrat Joachim Arnold sagte in seinem Grußwort "Wer für das Gemeinwohl aktiv ist stützt die Demokratie und fördert das soziale Miteinander in unserem Land".
Für die Initiative Stolpersteine hielt die Laudatio der Kreisbeigeordnete Detlev Engel

Irma Mattner und Hartmut Polzer, Initiative Stolpersteine

Wenn man in diesen Tagen nach Karben hineinfuhr, sprang einem immer wieder der Name „Klärchen“ von Plakatständern ins Auge.

Klärchen ist in Karben für viele schon lange keine Unbekannte mehr. Klärchen,  ein jüdisches Mädchen aus Burggräfenrode, das 1939 nach England fliehen musste. „Klärchen“ so lautet aber auch der Titel der Verfilmung der Lebensgeschichte eben dieses Mädchen  Klärchen aus Burggräfenrode.

Im Oktober 2009 hat die Initiative „Stolpersteine in Karben“ ein Video-Interview mit „Klärchen Kirschberg“, bzw.  Clare Zweig, wie sie zu diesem Zeitpunkt hieß,  aufgenommen.

Clare Zweig hat, nach Stationen in London, Liverpool, Nottingham, New York und Pittsburgh, ihre neue Heimat in Florida gefunden, und wurde dort vor einigen Jahren von Irma Mattner und Hartmut Polzer, denen das Aufspüren und Nachzeichnen von Lebensgeschichten der jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger in unserer Stadt Karben seit langem nicht mehr nur Anliegen, sondern Lebensaufgabe geworden ist, besucht.

Zusammen mit weiteren Interviews von Zeitzeugen, Weggefährten und Historikern ist durch die Initiative von Irma Mattner und Hartmut Polzer eine Dokumentation über die Zeit vor und während des Nationalsozialismus in Karben entstanden, die auch dieser Tage wieder im Karbener Kinocenter gezeigt werden wird.

Ein unvergesslicher Film gegen das Vergessen.

Frau Zweig, die leider Anfang diesen Jahres verstorben ist,  besuchte ihre ehemalige Heimat und stellte sich den Fragen von Schülerinnen und Schülern, auch das wurde durch das Engagement der beiden erreicht.

Als  am 15.Februar 2007 die Initiative „Stolpersteine in Karben“, gegründet wurde, waren viele Gespräche mit Irma Mattner und Hartmut Polzer der Gründung dieser Initiative vorausgegangen.

Einstimmig beschloss die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Karben im März 2007 dann auch im Gedenken an die verschleppten, vertriebenen und ermordeten jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger, Stolpersteine in Karben zu verlegen.

Die von dem in Köln lebenden Künstler Gunter Demning angeregte Aktion, hat mittlerweile mehr als 45.000 „Stolpersteine“ in Deutschland, aber auch in Holland, Tschechien. Ungarn, Ukraine, Polen, Frankreich und Italien in öffentlichen Bürgersteigen eingelassen.

In Karben wurden mittlerweile 56 solcher Gedenksteine vor den ehemaligen Wohnsitzen der vertriebenen, deportierten und  ermordeten jüdischen Menschen Karbens verlegt. Lasst uns im buchstäblichen Sinn über diese Gewalt, über Ausgrenzung, Vertreibung, Deportationen und Ermordung, lasst uns innehalten und stehen bleiben, so die Idee dieser „Stolpersteine“ und so auch die Botschaft an uns Karbener Bürgerinnen und Bürger, lasst uns immer wieder darauf schauen, was Menschen Menschen angetan haben. Wir brauchen eine Kultur der Erinnerung, weil das, was während der Zeit des Nationalsozialismus möglich geworden war, darf nie wieder passieren.  Es ist der Verdienst von Irma Mattner und Hartmut Polzer, dass in Karben immer wieder auf dieses Unrecht geschaut wird, dass wir immer wieder „stolpern“.

Die Verlegung der Gedenksteine durch Gunter Demning wurde jeweils unter großer Beteiligung der Menschen in Karben, dem Rabbiner Andrew Steimann und was uns immer sehr gefreut hat, unter Beteiligung von Schülerinnen und Schülern der Kurt-Schumacher-Schule durchgeführt.

Irma Mattner und Hartmut Polzer ist es zu verdanken, dass diese Initiative nicht die Angelegenheit von einigen wenigen wurde, sondern, dass sie Unterstützung und Zustimmung in breiten Teilen der Bevölkerung fand.

Denn sie waren es, die in nahezu akribischer Kleinarbeit mehr als 100 Einzelschicksale  recherchiert haben, Kontakte mit noch Lebenden aufgenommen haben, um so zu noch mehr Informationen zu kommen.

Natürlich haben sie dabei z.T. auch auf das Wissen von Menschen zurückgegriffen, die sich ebenfalls mit diesem dunklen Teil unserer Geschichte befasst haben. Helmut Weigand, Monica Kinggreen, Helmut Heide, hatten ihre Beiträge zur Unterstützung der  Arbeit von Irma Mattner und Hartmut Polzer geleistet.

Im Fritz Bauer Institut, Frankfurt, den Hess. Staatsarchiven in Wiesbaden, Darmstadt und Weimar wurde ermittelt.

Der Internationale Suchdienst in Arolsen, die Archive der Gedenkstätten in Osthofen und Dachau wurden durchforscht, um die Einzelschicksale zu ergründen.

Die Steine, darauf haben Irma Mattner und Hartmut Polzer  immer Wert gelegt, sollten die Erinnerung wachhalten, sollten zum Lernen aus unserer Geschichte animieren. Und die Steine sollen für ein friedliches Miteinander aller Menschen, egal welcher Herkunft, werben.

Nicht unerwähnt bleiben darf, dass die beiden sich auch anderweitig einbringen. So haben sie erst im Oktober diesen Jahres im Karbener Museum und in Zusammenarbeit mit dem Museumsdienst an zwei Tagen eine Ausstellung über das jüdische Leben in Karben organisiert und inhaltlich ausgestattet.

Und lassen Sie mich zum Schluss, meine Damen und Herren, zur Abrundung des Bildes noch darauf verweisen, dass  Irma Mattner und Hartmut Polzer sich sowohl im offenen Bündnis gegen Rechts, als auch bei der Betreuung der Flüchtlinge in Karben engagieren.

Ich, der ich die beiden schon so lange kenne, freue mich sehr, dass dieses herausragende Engagement -  die  tolle Arbeit, die ihr beiden leistet -  heute ihre Anerkennung findet, und gratuliere euch von ganzem Herzen dazu!

Danke


Irma Mattner und Hartmut Polzer, Initiative StolpersteineDie Vertreter der drei ausgezeichneten Gruppen mit den Laudatoren